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Menschenrechte am Ring 2007

Mittwoch, 06.06.2007

Zwischen dem 1. und 3. Juni 2007 war es wieder an der Zeit eine der größten Parties Deutschlands zu feiern: Rock am Ring am Nürburgring in der Eifel. Zehntausende pilgern jedes Jahr fast schon sektenhaft dorthin und zelebrieren dieses Festival in höchster Perfektion, inklusive unglaublichem Bierkonsum und vermutlich unschlagbarem Verschleiß an Dixi-Klos.

Erfolg, Erfolg!

Und auch dieses Jahr begab sich wieder eine sechsköpfige Delegation der Bonner amnesty Hochschul- und Jugendgruppe in diesen Hexenkessel, um dafür zu sorgen, dass während dieser drei Tage ein wenig von dem, was an grauen Hirnzellen übrig blieb, für das Unterschreiben von Petitionen unter Anderem für die Schließung von Guantánamo genutzt wurde. Jetzt stellt sich die Frage, ob Rock am Ring nicht vielleicht einer der Anlässe ist, der am wenigsten geeignet ist für Menschenrechtsarbeit, angesichts der beschriebenen Umstände. Anfangs zweifelte auch ich an unserem Erfolg, doch im Verlaufe der drei Tage wurde ich eines Besseren belehrt: für unsere Petitionen bekamen wir unglaublich viele Unterschriften und selbst für das Eilaktionennetzwerk sammelten wir über sieben Blätter voll mit E-Mail-Adressen neuer Abonnementen.
Mit einigem Schmunzeln ist zu berichten, dass der Buttonverkauf – vor allem der „Make Some Noise“-Buttons – sehr gut lief: dieser Artikel traf anscheinend genau den Merchandising-Geschmack der von uns liebevoll genannten „party people“. Finanziell gesehen hatten wir am Ende ein nicht zu verachtendes Plus zu verzeichnen, was auch und im Besonderen an unserer Verlosung lag.

Unterstützung von der Bühne

Schon im Vorfeld des Festivals hatten wir Bands gebeten uns signierte Sachen wie CDs, etc. zur Veranstaltung einer Verlosung zu geben. Leider war die Ausbeute relativ mager, jedoch umso erfreulicher: MIA. (Teilnahme bei Make Some Noise) steuerten signierte Alben und Maxi-CDs und zwei Drumfelle bei. Außerdem beehrten uns Mieze und Gunnar mit einem Besuch am Stand und verloren noch ein paar warme Worte für unser Engagement 🙂
Auch die – selbst dazu ernannte, meines Wissens bis heute von keiner seriösen Institution dazu gekürte – „Beste Band der Welt“ (Die Ärzte, Anm. d. Red.) überließen uns drei Hologramm-Wackelbilder, auf denen jeweils eines der Bandmitglieder zu sehen und die entsprechende Signatur draufgekritzelt war.
Nach weniger als 5 Minuten, die die Bilder am Stand hingen stand eigentlich fest, dass wir eine gesonderte Verlosung für das Bela B. Exemplar mit 10 Euro pro Los hätten machen müssen. Zumindest legte das die (vorwiegend weibliche) Nachfrage mehr als nahe.
Aber da wir ja auch für menschenwürdige Preise eintreten wollten – im Gegensatz zu sämtlichen einemilliardefünfhundertdreißigtausend Bierständen 🙁 – beließen wir es bei einheitlichen zwei Euro.
Und so kam es übrigens noch unverhoffter Weise dazu, dass auf Initiative der Überbringerin der DÄ-Sachen die Beatsteaks (in der Szene „Buletten“ genannt) spontan 5 signierte T-Shirts springen ließen (Danke dafür an Jenny!)
Am Sonntag pünktlich um 19:00 Uhr fand die Verlosung statt und es gab doch so manchen glücklichen Gewinner (Bilder in der Galerie) der dann stolz wie Oskar mit seinem schmucken Beatsteaks-T-Shirt davon stapfte und neidische Blicke auf sich zog.

„Amnesty? Wie langweilig! Lass ma’ weiter gehen“

Solche und ähnliche Sprüche konnten wir von einigen Passanten natürlich auch hören, doch dies war nur eine Minderheit von Leuten. Insgesamt ist das Ergebnis finanziell, unterschriftentechnisch sowie was das gute Feedback der Leute angeht wirklich beachtlich und hat mein Bild vom dauerbesoffenen Festivalpublikum ordentlich zurechtgerückt. Okay: vielleicht sind die richtigen Alkis schon auf dem Campingplatz versackt, aber was soll’s. So wild drauf, sie kennen zu lernen waren wir dann wohl doch nicht.
Ich will mich am Ende noch ausdrücklich dafür aussprechen, diese Aktion auch nächstes Jahr wieder zu veranstalten, dann jedoch vielleicht mit noch etwas mehr und kreativerem Merchandising der Ulmer Gruppe und mit humaneren Campingbedingungen. Das nächste Mal vielleicht lieber nicht direkt zwischen Center- und Alternastage – ohne Dusche, ohne Wasserhahn. Ansonsten wünsche ich schon jetzt der 2008er Truppe viel Erfolg und Spaß und wieder viele inspirierende wie motivierende Gespräche!

PS: 2008 dann jedoch etwas mehr Bier von zu Hause mitbringen, dafür halt weniger Klamotten. Es schafft halt nicht jeder ins VIP Zelt, wie gewisse Leute 🙂

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