Aktion: Alle Jahre wieder gegen die Todesstrafe

Weltweit gibt es noch 58 Staaten, die die Todesstrafe gesetzlich verankert und auch innerhalb der letzten zehn Jahre durchgeführt haben. Das sind 58 Staaten, die weder dem Recht auf Leben eines jeden Individuums, noch der Forderung einer von Rachegelüsten freien Rechtsstaatlichkeit, Gehör schenken. „Aug um Aug – und die ganze Welt wird blind sein“, sagte schon Mahatma Gandhi und schrieb sich durch sein Lebenswerk unwiderruflich in das Bewusstsein der Menschheit.

Die Jugendgruppe 1867 fand sich am 14.November 2009, in der Bonner Innenstadt nahe des Hauptbahnhofs ein, um die vor Jahren angeklungene Überlegung in die breitere Bonner Öffentlichkeit zu tragen.

Von 14 bis 18 Uhr informierte und diskutierte die Jugendgruppe an dem aufgebauten Stand über Todesstrafe, Amnesty International und andere Sachthemen. Sie sammelte Unterschriften gegen die Vollstreckung der Todesstrafe, stellte eine Stellwand auf, legte blickfangende Leichentücher aus und veranstaltete in Folge einige Flashmobs.

Unterschriften für Petitionen wurden in Anbetracht zweier Fälle gesammelt:

In Saudi-Arabien droht einem türkischen Staatsbürger die Enthauptung. Er habe sich durch Drogenhandel strafbar gemacht, lautet die Anklage. Das Gerichtsverfahren ist offensichtlich fehlerhaft verlaufen. Während des Prozesses wurde dem Angeklagten keinerlei Rechtshilfe zugestanden.Dolmetscher fehlten vollkommen, sodass ihm das selbst unterzeichnete Geständnis inhaltlich unklar war.

Im Iran droht nun einer Witwe die Steinigung; ihr Mann ist bereits hingerichtet worden. Der Anwalt von Kobra Babaei und Rahim Mohammadi, erklärt, das Ehepaar habe nach einer langen Zeit der Arbeitslosigkeit versucht, durch Prostitution seinen Lebensunterhalt sicherzustellen. Kobra Babaei und Rahim Mohammadi wurden daraufhin des „Ehebruchs“ schuldig befunden – ein „Vergehen“, das mit dem Tod durch Steinigung bestraft wird.

Mit der Forderung nach einem Aussetzung der Todesstrafe in den konkreten Fällen wird von amnesty international auch eine generelle Abschaffung der Todesstrafe angestrebt.

Die am Stand befestigte, bewusst makaber gestaltete Stellwand mit Namen aktuell inhaftierter Todeszelleninsassen und 2009 bereits hingerichteter Personen ( markiert durch ein Häkchen hinter dem Namen), ließ so manch einen Passanten beschämt zu Boden blicken.

Vor allem junge Bonner reagierten betreten. Auf einige ausgelegte und ausgestopfte Leichentücher blickend, sagte ein junges Mädchen erleichtert: „Ich dachte, das wären echte Tote“. Und doch erscheint genau diese Erleichterung als das wahre Problem. Die Tatsache, dass auf der Welt von Tag zu Tag Menschen per Gerichtsurteil das Leben genommen wird, bleibt schließlich auch ohne reale Leichen auf dem Gehweg bestehen.

Das Highlight der Aktion war jedoch der Flashmob, den die Gruppe zwei Mal durchführte. In wechselnder Zusammensetzung simulierten die Gruppenmitglieder eine Erschießungsszenerie. Laut gröhlten Wächter den Gefangenen Kommandos um die Ohren, setzten ihnen Waffenattrappen in den Nacken und „erschossen“ diese letztlich. Mitten in Bonn auf dem Münsterplatz lagen nun mit dem Gesicht gen Boden um die sechs Menschen- „Execution is not the solution“- u.ä. ließ sich auf der Gefallenen Rücken lesen. Gebannt blieben viele Bonner stehen; einige auch nicht nur aus Neugier, sondern aus Überzeugung.

Die Aktion tastete das Bewusstsein der Menschen an. Sie hat die Präsenz der Todesstrafe vor Augen geführt und bildete in Form der gesammelten Unterschriften einen kleinen aber wichtigen Beitrag zu einer Welt, in der Menschenleben weltweit Beachtung finden und der ehemalige Generalsekretär der UN und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan seine Frage als überholt betrachten kann: „Wie kann ein Staat, der die gesamte Gesellschaft repräsentiert und die Aufgabe hat, die Gesellschaft zu schützen, sich selbst auf die gleiche Stufe stellen wie ein Mörder?“

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